Eishockey-Playoffs: Alles, was Sie dazu wissen müssen

Die wichtigsten Regeln & spannende Fakten rund um die Playoffs in DEL & NHL

Am Ende jeder Eishockey-Saison stehen die Playoffs an. Erfahren Sie interessante Fakten und Hintergründe rund um die spannungsgeladenen K.-o.-Turniere. Wir erklären Ihnen außerdem die wichtigsten Regeln bei den Eishockey-Playoffs hinsichtlich Qualifikation, Spielmodus und vielem mehr.

Eishockey-Spieler im vollbesetzten Stadion bei den Playoffs
Playoffs im Eishockey: Dem Sieger winkt der Meisterschaftspokal

Lesen Sie die wichtigsten Antworten und Informationen rund um die Eishockey-Playoffs in Deutschland und Nordamerika:

Was sind Eishockey-Playoffs?
Seit wann gibt es Playoffs in der DEL?
So funktionieren die DEL-Playoffs
Eishockey-Playoffs der National Hockey League (NHL)
Playoff-Termine 2018

Was sind Eishockey-Playoffs?

Der Begriff Playoff (auch Play-off) bezeichnet in verschiedenen Sportarten, etwa im Eishockey, einen Ausscheidungskampf. In der Regel wird dadurch eine Meisterschaft ermittelt. Die Playoff-Spiele folgen auf die Hauptrunde und werden nach dem K.-o.-System gespielt – die unterlegene Mannschaft fliegt raus.

Wie in der amerikanischen Profi-Eishockeyliga NHL gibt es Eishockey-Playoffs auch in der deutschen Eishockeyliga DEL. Am Ende der regulären DEL-Eishockeysaison, also im März, entscheiden die Playoff-Spiele darüber, welches Team Deutscher Meister wird.

Eishockeyspieler vor dem Spielstart
Eishockey-Playoffs sind der krönende Abschluss der Saison.

Seit wann gibt es Playoffs in der DEL?

Im deutschen Eishockey finden Playoffs seit 1981 statt. Vor 1981 gewann automatisch diejenige Mannschaft den Meisterschaftstitel, die am Saisonende den ersten Platz in der Tabelle besetzte.

Übrigens: 1981 gewann tatsächlich der SC Riessersee als Tabellenerster anschließend auch die Playoffs. Das ist bei weitem nicht immer so; theoretisch kann auch eine Mannschaft, die im Saisonverlauf schwächer gespielt hat, in den Ausscheidungskämpfen nach vorn rücken und den Titel holen. Kritiker der Playoffs bemängeln daher, dass dieser Modus die Spiele der regulären Eishockeysaison entwerte.

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Der Passfälscherskandal

Kaum hatte die Eishockey-Bundesliga den Playoff-Modus eingeführt, kam es auch schon zu einem faustdicken Skandal: Da der Deutsche Eishockey Bund (DEB) die Anzahl an ausländischen Spielern pro Mannschaft und Spiel begrenzte, hatten der Duisburger SC und der Kölner EC kurzerhand ausländische Spieler mit deutschen Pässen ausgestattet. Nachdem dieser sogenannte „Passfälscherskandal“ aufgeflogen war, entschied das DEB-Sportgericht im Februar 1981 über die Bestrafung der Teams aus Duisburg und Köln – alle Spiele der beiden Mannschaften, an denen Spieler mit gefälschten Pässen beteiligt waren, wurden als verloren gewertet. Für die Duisburger bedeutete das den sicheren Abstieg, die Kölner rutschten durch die Punktabzüge auf Platz 10 der Tabelle, also in die Abstiegsrunde.

Das Problem: Die neueingeführten Playoffs unter Beteiligung des EC Köln waren zu diesem Zeitpunkt bereits in vollem Gange. Das Viertelfinale musste daher annuliert und anhand einer neuen Tabelle wiederholt werden.

Die lachenden Dritten waren in diesem Fall der EV Füssen, der für Köln nachrückte, sowie der SC Berlin, der im ungültigen Viertelfinale gegen Mannheim gescheitert war – beim zweiten Versuch aber konnten sich die Berliner nun gegen den EV Landshut durchsetzen.

So funktionieren die DEL-Playoffs

Die grundlegenden Fragen sind geklärt – aber wie genau funktionieren eigentlich die Playoffs im Eishockey? Lesen Sie hier die Erklärungen zu Aufbau, Spielmodus & Co.

Wie viele Runden gibt es im Playoff?

In der DEL-Hauptrunde, die von September bis Februar stattfindet, qualifizieren sich die deutschen Eishockeymannschaften für die Playoffs. Die DEL-Playoffs gliedern sich in Pre-Playoffs, Viertelfinale, Halbfinale und Finale.

Eishockey-Spieler beim Angriff
Mit der Vorrunde gibt es vier Runden in den Eishockey-Playoffs.

Wer spielt in den Playoffs gegen wen?

Welche Mannschaften im Viertelfinale gegeneinander antreten, ist von ihren Platzierungen in der DEL-Hauptrunde beziehungsweise den Pre-Playoffs abhängig.

Vorrunde: Die Pre-Playoffs

Während sich die Teams auf den Plätzen 1 bis 6 der Hauptrunde direkt einen Platz im Viertelfinale sichern, müssen die Mannschaften auf den Plätzen 7 bis 10 zunächst in den Pre-Playoffs, einer Vorrunde, gegeneinander antreten. Hier spielt der Siebte gegen den Zehnten sowie der Achte gegen den Neunten. Die beiden Sieger bekommen die verbleibenden zwei Viertelfinal-Plätze.

Insgesamt treten also acht Mannschaften in den DEL-Playoffs gegeneinander an.

Die Playoffs

Im Viertelfinale der Eishockey-Playoffs finden die Begegnungen folgendermaßen statt – ausgegangen wird von den Platzierungen der Vorrunden:

• Platz 1 – Platz 8
• Platz 2 – Platz 7
• Platz 3 – Platz 6
• Platz 4 – Platz 5

Im Halbfinale trifft dann der Bestplatzierte auf den am schlechtesten Platzierten.

Besonderheit: Es spielt in jeder Runde das Team, das unter den verbliebenen Teams in der Vorrunde die beste Platzierung erreicht hat, gegen das Team, das in der Vorrunde die schlechteste Platzierung erreicht. Wenn in den Viertelfinals z.B. die Mannschaften weiterkommen, die in der Hauptrunde 1., 2., 4. und 6. waren, dann spielt im Halbfinale der 1. gegen den 6. und der 2. gegen den 4. Nach jeder Runde wird aus den verbliebenen Teams neu ermittelt, welche Mannschaften gegeneinander antreten müssen.

In welchem Modus wird gespielt?

"So viel Play-offs wie möglich ist das Salz in der Suppe", sagte DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke, als die DEL in der Saison 2013/14 einen neuen Playoff-Modus einführte. Nun werden die Playoffs im deutschen Eishockey nach dem Vorbild der amerikanischen Eishockeyliga NHL ausgetragen: In allen Playoff-Runden (Viertelfinale, Halbfinale, Finale) wird nach dem Best-of-Seven-Modus gespielt. Das heißt, die Mannschaften müssen in sieben Spielen vier Siege erringen, um in die nächste Runde zu kommen.

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Welche Regeln gelten bei Eishockey-Playoffs?

Im Grunde unterscheiden sich die Regeln in den Playoffs nicht von den übrigen Eishockeyregeln.

Heimregel

Die Platzierung eines Teams in der Hauptrunde kann ihm einen entscheidenden Vor- oder auch Nachteil in den Playoffs verschaffen. Die sogenannte Heimregel besagt, dass das in der Hauptrunde besser platzierte Team die Playoff-Begegnungen 1, 3, 5 sowie ein eventuell entscheidendes 7. Spiel immer zuhause in eigener Halle ausgetragen wird.

So ergeben sich für die Teams, je nach Tabellenplatz, entscheidende Vorteile. Der Tabellenerste hat beispielsweise einen garantierten Heimvorteil in allen Playoff-Runden, inklusive der Final-Serie. Die beiden Mannschaften, die in den Pre-Playoffs nachgerückt sind, müssen dagegen zuerst immer auswärts antreten.

Eishockey-Arena voller Fans
Die besseren Teams haben dank der Heimregel den Vorteil, zuerst im eigenen Stadion anzutreten.

Overtime

Overtime bedeutet im Eishockey schlicht Verlängerung. Wenn ein Spiel nach der regulären Spielzeit unentschieden steht, geht es in eine Verlängerung („Overtime“), die 20 Minuten dauert. Sie kann aber schon früher enden, nämlich, sobald eine Mannschaft einen Treffer erzielt. Passend für diesen „plötzlichen Tod“ der Partie spricht man hier vom „Sudden death“.

Erfolgt in der Overtime kein Tor, wird wieder verlängert – bis ein Sieg feststeht. Denn anders als in der Hauptrunde gibt es in den DEL-Playoffs seit 2007/08 kein Penaltyschießen mehr.

Übrigens: Das längste Playoff-Spiel in der Geschichte der DEL fand am 22./23. März 2008 zwischen den Kölner Haien und den Adlern Mannheim statt und dauerte 168:16 Minuten – es wurde insgesamt sechs mal verlängert! Damit ist es zugleich das drittlängste Spiel im Profi-Eishockey. Das entscheidende Tor schoss schließlich Philipp Gogulla für Köln, weshalb die Mannschaft mit 5:4 gewann.

Das längste Spiel der Eishockey-Geschichte: Play-off-Viertelfinale in Norwegen 2017

Den Rekord für das längste Spiel der Eishockey-Historie haben die norwegischen Teams Storhamar Dragons und Sparta Warriors am 12./13. März 2017 aufgestellt: Erst nach 217 Minuten und 14 Sekunden Spielzeit stand in der Nacht zum 13. März der Sieg der Dragons mit 2:1 fest.
Rechnet man die Spielunterbrechungen mit, dauerte die Partie ganze acht Stunden!

Während ein Großteil der Fans irgendwann nach Hause ging (immerhin 1.000 von anfangs 5.526 Zuschauer harrten bis zum Ende in der Arena aus), mussten die Spieler trotz Krämpfen und Erschöpfung durchhalten. Dabei ging schließlich sogar das Essen aus: In der achten oder neunten Spielperiode wurde den ausgehungerten Teams Schokoladenkuchen serviert – Hauptsache, die Spieler bekamen Energie!

Eishockey-Playoffs der National Hockey League (NHL)

Während es in Deutschland erst seit 1981 Eishockey-Playoffs gibt, findet das K.-o.-System nach der Hauptrunde in der nordamerikanischen NHL schon wesentlich länger statt.

Im Gründungsjahr der National Hockey League 1917 hatte es zwei Finalspiele gegeben; ein Jahr später ging man in der ältesten Profi-Eishockeyliga der Welt bereits dazu über, „Best of Seven“-Serien auszutragen. Auch heute noch wird bei den NHL-Playoffs im Modus „Best of Seven“ gespielt; ähnlich wie im deutschen Eishockey richten sich die Begegnungen der Teams dabei nach den Abschlusstabellen der regulären Saison.

Symbolbild: Eishockey in den USA und Kanada
In der nordamerikanischen NHL wird in den traditionellen Eishockey-Playoffs um den Stanley Cup gespielt.

2x Playoffs: Ost gegen West

Ein entscheidender Unterschied im amerikanischen Eishockey ist jedoch, dass die Playoffs zunächst nach Conferences getrennt ausgetragen werden. Zur Erklärung: Die amerikanischen Eishockey-Teams werden, je nach regionaler Herkunft, in die Eastern Conference oder Western Conference aufgeteilt. Diese wiederum spalten sich in zwei Divisionen auf.

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Die Teilnahme an den NHL-Playoffs ergibt sich folgendermaßen:

Pro Conference qualifizieren sich

• die drei jeweils punktbesten Teams pro Division sowie
• die weiteren zwei besten Mannschaften in der Conference, die sich nicht schon über ihre Platzierung in der Division qualifiziert hatten (Wildcards)

für die Playoff-Serie. Diese wird innerhalb jeder Conference ausgespielt mit Viertelfinale, Halbfinale und Finale. Die beiden Sieger der Conference-Playoffs treten schließlich im sogenannten Stanley-Cup-Finale gegeneinander an. Der Stanley Cup ist die traditionelle Trophäe, die die Sieger der Playoffs entgegennehmen dürfen.

Auf der Website der NHL finden Sie übrigens einen Spielbaum, der die Playoff-Spiele der letzen Saison übersichtlich darstellt.

Heiß begehrt: Der Stanley Cup

Der Stanley Cup gilt als die wichtigste Eishockeytrophäe der Welt, die jährlich an den Gewinner der NHL-Playoffs verliehen wird. Umgangssprachlich wird der Pokal auch The Cup, The Holy Grail (deutsch: Der Heilige Gral) oder Lord Stanley’s Mug (Lord Stanleys Tasse) genannt.

Sein Name stammt vom noblen Stifter der ursprünglichen Trophäe: 1892 ließ Frederik Stanley, Baron Stanley of Preston, damals Generalgourvernour von Kanada, einen rund 19 Zentimeter hohen silbernen Pokal anfertigen. Dieser sollte fortan jedes Jahr dem besten Eishockeyteam Kanadas überreicht werden. Ein enstprechender Wettbewerb fand im darauffolgenden Jahr zum ersten Mal statt. Später weiteten sich die Spiele um den Stanley Cup auf die gesamten nordamerikanischen Teams aus.

Montreal Hockey Club 1893 mit dem ersten Stanley Cup
Der Montreal Hockey Club gewann 1893 den ersten Stanley Cup.

Eine Besonderheit ist, dass die Gewinner auf dem Cup verewigt werden: die Namen aller Spieler werden darauf graviert. Auf diese Weise ist der ehemals recht handliche Pokal mit der Zeit immer mehr in die Länge gewachsen.

Übrigens: Der Stanley Cup ist offenbar nicht nur als Siegestrophäe heißbegehrt – er wird von den Gewinnermannschaften auch gerne mal zweckentfremdet. Aus dem Pokal Champagner zu trinken, wie das erstmals die Winnipeg Victorias 1896 taten, hat für die Sieger der Playoffs natürlich Tradition. Aber dass die Kinder von Los-Angeles-Kings-Stürmer Dustin Brown 2012 Schokomilch aus dem Stanley Cup tranken, erscheint schon etwas ungewöhnlicher:

Doch nicht nur das: Dustin Brown nimmt den Cup schon mal mit in den Supermarkt oder lässt sich Eis hineinfüllen – Bilder davon zeigt die Website On the Road with the Holy Grail.
Der kanadische Verteidiger Sylvain Lefebrve ließ sogar sein Kind im „Heiligen Gral“ taufen.
Weitere bizarre Stanley-Cup-Anekdoten finden Sie (auf Englisch) auf der Website boston.com.
2016 und 2017 gewannen die Pittsburgh Penguins den Silberpokal zwei Mal in Folge. Alle Sieger seit 1918 finden Sie hier.

Playoff-Termine

Wann finden die Eishockey-Playoffs statt? Hier finden Sie die Termine von DEL und NHL.

Playoffs der DEL

Im März beginnen die deutschen Eishockey-Playoffs. Den aktuellen Spielplan mit Ergebnissen der DEL finden Sie auf sport.de.

Playoffs der NHL

Die reguläre Saison der NHL endet jährlich im April. Daraufhin beginnen die Stanley Cup Playoffs. Aktuelle Spielstände und Termine erfahren Sie auf der offiziellen Website der NHL.

Noch mehr Eishockey

Falls Sie sich vor Ihrem nächsten Besuch im Eisstadion oder vor den Playoffs noch einmal mit dem Regelwerk vertraut machen wollen, dann lesen Sie unseren Beitrag zu den Eishockeyregeln. Der Frage, warum so viele Eishockeyteams Tiere in ihrem Namen tragen, sind wir in diesem Artikel für Sie nachgegangen.

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Bilder: Titelbild; Bild 1-3: © E+/ Dmytro Aksonov; Bild 4: © iStock / Getty Images Pluss/ Evgeny Gromov; Bild 5: © Pittaway studio, Wikimedia Commons, CC0; © Library and Archives Canada, Wikimedia Commons , CC0.

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