eSport – mit Zocken Geld verdienen

Interview mit dem Journalisten und Moderator Konni Winkler

Computer- und Videospiele sind längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Im Zuge dessen hat sich der eSport von einer Nischensportart zu einem professionellen Wettbewerb mit Preisgeldern in Millionenhöhe entwickelt. Erfahren Sie in unserem Experteninterview mit dem Journalisten und Moderator Konni Winkler alles Wichtige rund um das Thema eSport.

eSports-Turnier

Was ist eSport?
eSport – ein Sport, viele Spiele
Unser Interviewpartner Konni Winkler
Die ESL – Deutschlands größter Turnierveranstalter
So trainieren die Profis
Preisgelder und Übertragungen
Öffentliches Interesse und Professionalisierung der Branche
Von wegen Computernerds!

Was ist eSport?

eSport steht für „elektronischer Sport“. Im eSport werden Computer- oder Videospiele wettbewerbsmäßig als Individual- oder Mannschaftssport gespielt. Regeln werden durch Wettkampfveranstalter und die Software (die Computer- oder Videospiele) festgelegt. In einigen Ländern wird eSport von etablierten Sportverbänden als Sportart anerkannt. Der Deutsche Olympische Sportbund lehnt die Einstufung von eSport als Sportart jedoch bisher ab.

eSport – ein Sport, viele Spiele

Wie auch im klassischen Sport gibt es im eSport verschiedene „Sportarten“, die sich nach der Art der Spiele richten. Dabei sind die folgenden 3 Disziplinen am meisten etabliert und werden im eSport professionell gespielt:

• Echtzeit-Strategiespiele
• Ego-Shooter
• Sportsimulationen

Einer der erfolgreichsten Spieletitel weltweit und auch in Deutschland ist League of Legends – ein Echtzeit-Strategiespiel, fünf gegen fünf. Dazu gibt es noch Dota 2, Starcraft 2, Counter-Strike: Global Offensive, Heroes of the Storm, das Sammelkartenspiel Hearthstone und viele mehr. Auch die Fighting-Community hat mit Spielen wie Street Fighter V oder Smash Bros. einige eSports-Titel.

Dazu stoßen auch immer wieder neue Spiele, wie jüngst das Autoball-Spiel Rocket League oder schon vor einiger Zeit Overwatch. Welche Spiele es auf ein hohes Niveau schaffen, hängt immer von der Ausrichtung der Spiele und der Beliebtheit einzelner Titel ab. Inzwischen entscheiden sich Spieleentwickler im Vorfeld, welche Features in Spielen für den eSport-Charakter förderlich sind.

ESL Gaming Turnier in Halle mit Publikum
Instagram ESL Gaming

Unser Interviewpartner Konni Winkler

Moderator, Sport- und eSports-Journalist Konni Winkler

Konni Winkler ist Moderator, Sport- und eSports-Journalist. Wenn er nicht gerade Videospiele auf Twitch streamt und Let’s Plays oder Gaming-Reviews auf YouTube erstellt, moderiert er das Vormittagsprogramm der LandesWelle Thüringen oder die Bundesliga-Sendungen bei SPORT1.fm. Als freier Autor schreibt Winkler unter anderem für SPORT1 und ZEIT ONLINE über das Thema eSports. In unserem Interview gibt er einen spannenden Einblick in die Szene, die ihn schon von klein auf begeistert hat.

owayo: Hallo Konni, zum Anfang eine persönliche Frage: Wie kamst du zum eSport und was fasziniert dich besonders daran? Konni Winkler: Ich habe schon seit meiner Kindheit eine große Leidenschaft für Videospiele. Diese mündete irgendwann auch in eSports, weil die Spiele, die mich interessieren, auch auf Profi-Niveau gespielt wurden. Die Faszination bei eSports entsteht dadurch, dass andere das gleiche Spiel spielen, das man selbst auch mag. Nur führen die Profis eben alle Aktionen schneller, schöner und spektakulärer durch. Es ist wie beim Fußball: Wenn ich im Verein kicke und dann Ronaldo sehe, was der am Ball kann, fasziniert mich das.

eSports-Events sind mittlerweile richtige Großveranstaltungen: Auf welchen Wettkämpfen moderierst du? Mein jüngstes Event, bei dem ich gecastet – also kommentiert – habe, war die TAG Heuer Virtuelle Bundesliga in FIFA 17. Das Final-Event ging über zwei Tage und fand im Deutschen Fußballmuseum in Dortmund statt. Cihan Yasarlar, der beim FC Schalke 04 unter Vertrag steht, wurde dabei deutscher Meister und gewann 15.000 Euro Preisgeld. Außerdem kommentierte ich bei den FIFA Ultimate Team Regional Finals aus Madrid die offizielle deutschsprachige Übertragung für SPORT1.

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Engagement von Bundesliga-Vereinen im eSport

Cihan Yasarlar vom FC Schalke 04 ist nicht der einzige eSportler, der bei einem Bundesliga-Verein unter Vertrag steht. Denn neben dem FC Schalke 04 hat auch der VfL Wolfsburg einen eigenen Kader an eSportlern. Weitere Clubs, wie der HSV oder der FC Ingolstadt, bereiten einen Einstieg in den eSport vor (Stand Ende 2016). Auch die Deutsche Fußball Liga (DFL) hat 2016 einige Marken angemeldet, die mit eSport in Verbindung stehen, wie etwa „eBundesliga“. Die eSportler der Bundesliga-Vereine sind bisher, passend zur Fußball-Bundesliga, auf die Fußballsimulation FIFA spezialisiert.

Die ESL – Deutschlands größter Turnierveranstalter

Die TAG Heuer Virtuelle Bundesliga in FIFA 17 ist natürlich nicht das einzige eSport-Event: Was gibt es für Veranstaltungen, Turniere und Ligen? Jeder große eSports-Titel hat da seine eigenen Wettbewerbe, die oft zunächst über Online-Modi laufen und nach der Qualifikation in Offline-Turnieren vor zigtausend Menschen ausgetragen werden. Die ESL ist in Deutschland als einer der größten Turnierveranstalter mit verschiedenen Spielen vertreten. Hinzu kommen auch offizielle Turniere der Spielentwickler selbst. So hat Riot Games, die Macher von League of Legends, seine offizielle Weltmeisterschaft, ebenso Valve mit Dota 2. Bei Blizzard-Titeln wie Starcraft 2 gibt es die Blizzcon.

So trainieren die Profis

Um sich für Turniere zu qualifizieren, muss natürlich auch trainiert werden. Wie trainieren eSportler? Die Pro-Gamer (professionelle Spieler) verdienen mit Videospielen ihr Geld, das ist ihr Job. Das schlägt sich dann auch auf das Zeitinvestment nieder: Je nach Spiel trainieren die Spieler zwischen acht und zehn Stunden am Tag. Vor wichtigen Turnieren finden sich Spieler eines Teams zu Bootcamps in Gaming Houses zusammen. Hierfür stellen die Team-Inhaber die gesamte Infrastruktur zur Verfügung, mit deren Hilfe Spieler, Trainer und Analysten sich intensiv vorbereiten können. Dazu ist die körperliche Fitness auch sehr wichtig. Der sportliche Ausgleich wird bei den Teams großgeschrieben und deswegen auch gefördert.

eSportlerin am PC
Instagram ESL Gaming

Gibt es Doping im eSport? Doping war vor einigen Jahren ein großes Thema, als der Counter-Strike-Spieler Kory “Semphis” Friesen zugegeben hatte, dass sein damaliges Team Cloud9 zu Adderall gegriffen habe. Das wird normalerweise bei der Behandlung von ADHS eingesetzt. Er behauptete damals, dass noch viele weitere Spieler dieses Mittel eingenommen hätten. Vor allem bei dem Spiel Counter-Strike kommt es auf schnelle Reaktionen an, da ist die Einnahme solcher Substanzen naheliegend. Die ESL hatte kurze Zeit nach Bekanntwerden dieser Aussagen gemeinsam mit der Nationalen Anti-Doping-Agentur (NADA) eine Richtlinie für eSports eingeführt, die auch Dopingtests bei größeren Turnieren vorsieht.

Welche Voraussetzungen muss ein professioneller eSportler erfüllen? Das ist unterschiedlich. Jemand der in Dota 2, einem Echtzeit-Strategiespiel, gut sein will, braucht nicht unbedingt schnelle Reflexe, wohingegen es bei Counter-Strike: Global Offensive unabdingbar ist, schnell zu reagieren. Ebenso bei Starcraft 2. Hier werden die Aktionen pro Minuten, also Eingaben an Maus und Tastatur für die Zuschauer stets gemessen. Profispieler liegen dabei zwischen 300 und 500 logischen Eingaben die Minute. Hand-Auge-Koordination, aber auch Fitness sind hier unabdingbar. Generell sind bei Teamspielen individual- und teamtaktisches Verständnis wichtig. Man muss bereit sein, sehr viel zu spielen.

eSportler beim Computerspiel Call of Duty
Instagram Call of Duty World League

Preisgelder und Übertragungen

Wie viel verdient ein eSportler und wie hoch sind die Preisgelder? Die Topspieler und Topteams verdienen damit sehr gutes Geld. Viele haben Spielerverträge, bekommen ein monatliches Gehalt und zusätzlich einen Anteil der erspielten Gewinne aus Turniere. Manche Turniere zahlen eine Minimum-Summe alleine für die Teilnahme aus. So hat es Blizzard mit den Heroes of the Storm Global Championships getan. Jedes Team, das teilnimmt, erhält mindestens 100.000 US-Dollar. Der bestverdienende deutsche eSportler ist Kuro "KuroKy" Takhasomi. Er hat bisher (überwiegend in Dota 2) eine Summe von über einer Million Dollar erspielt – alleine durch Preisgelder.

Das Rekordpreisgeld-Turnier war letztes Jahr The International in Dota 2 mit 20.770.460 US-Dollar, ja über 20 Millionen! Mehr Geld gab es bisher noch nie bei einem Turnier. Heißt übrigens auch, dass alleine das Gewinnerteam Wings Gaming über 9 Millionen US-Dollar kassiert hat.
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Wo kann man eSport anschauen? Im Fernsehen sind eSports-Veranstaltungen kaum vertreten. Bis auf SPORT1, das hin und wieder Übertragungen von League of Legends ins TV bringt, setzt kein anderer Sender darauf. Der Sender ProSieben MAXX hatte eine Zeit lang die Counter-Strike-Liga ELEAGUE übertragen. Jedoch hat der Konzern die Sendungen eingestellt, nachdem bekannt wurde, dass der Attentäter, der am 22. Juli 2016 in München Amok lief, wohl auch Counter-Strike-Spieler war.

eSports-Begeisterte finden überwiegend auf den Plattform Twitch (twitch.tv) die Live-Übertragungen zu ihren Lieblingsspielen. Auch bei Facebook Live und bei YouTube Gaming werden solche Spiele übertragen, jedoch kommen die Reichweiten derzeit nicht an die von Twitch heran.
Menschen schauen auf LED Leinwand, auf der ein Computerspiel gezeigt wird
Instagram Twitch

Öffentliches Interesse und Professionalisierung der Branche

Wie hat sich das öffentliche Interesse an der Sportart in den letzten Jahren entwickelt und was waren die Gründe? Die Gaming-Branche wächst sehr gut, das zahlt sich auch für den eSport aus. Außerdem sind eSports-Titel oft “free to play”, kosten also nichts und können ohne finanzielle Barriere heruntergeladen und gespielt werden. Das ermöglicht einer großen Masse an Spielern die Teilnahme am eSport, unabhängig ihres finanziellen Backgrounds. Das Zuschauen über Twitch ist ebenfalls kostenlos und dank Internet überall möglich. So können die Gamer das, was sie sehen, direkt zuhause ausprobieren – kostenlos. Offline-Events mit bezahlbarem Eintritt gibt es zudem immer öfter auch in Deutschland.

Was waren die Ursachen für die Professionalisierung der Branche? Wo eine Reichweite und ein Interesse vorhanden sind, ist auch ein Markt da. Viele Sponsoren wollen auch vom Boom profitieren, genauso die Turnierveranstalter. Wenn in einem Markt so viel Geld steckt wie in eSports, dann muss man sich zwangsweise professionalisieren, wenn man von allen Seiten ernst genommen werden möchte.

Wie bewertest du das Engagement von Bundesliga Mannschaften wie Schalke 04 oder dem VfL Wolfsburg? Schalke und Wolfsburg sind nur wenige Beispiele von klassischen Sportvereinen, die sich jetzt auch in den eSports verlängern. Besiktas Istanbul, Paris St. Germain, New York City F.C. und weitere Fußballclubs zeigen auch auf internationalem Terrain, dass der eSport viele sportliche Elemente beinhaltet.

Schalke und Wolfsburg gehen unterschiedlich an den eSport heran. Schalke 04 hat neben FIFA-Spielern, wie dem amtierenden deutschen Meister Cihan Yasarlar, auch ein Team in League of Legends. Der VfL Wolfsburg baut derzeit nur auf FIFA 17 als Videospiel in seiner eSports-Sparte. Natürlich ist das eine gute Möglichkeit den Verein und damit auch die Marke noch einmal anders bei potenziellen Fans zu platzieren.

eSportler beim FIFA spielen am Computer
Instagram Konni Winkler

Von wegen Computernerds!

Haben eSportler in der breiten Öffentlichkeit nicht eher den Ruf Computernerds zu sein, oder werden sie schon als professionelle Sportler wahrgenommen? Immerhin hat Carlos Rodriguez – der beliebteste eSportler der Welt auf Facebook – 609.348 Fans. In Asien haben Videospiele schon seit jeher einen vollkommen anderen Stellenwert. Da ist es in etwa gleichzusetzen, ob jemand einen Theaterbesuch vorzieht oder eben ein eSports-Event. E-Sport wird auch offizielle Sportart bei den Asienspielen 2022 sein, was die Professionalisierung in dem Sektor verdeutlicht.

Bei uns im Westen hat sich die Wahrnehmung aber auch deutlich geändert. Die Leistung, die nötig ist, um auf Topniveau mithalten zu können, wird immer mehr anerkannt. In die Commerzbank-Arena nach Frankfurt kamen in den letzten Jahren immer mehrere Zehntausend Menschen zu Dota 2-Turnieren. Counter-Strike füllt die Kölner Lanxess-Arena . Und vor zwei Jahren war das Finale mit 20.000 Zuschauern in League of Legends in der Berliner Mercedes-Benz-Arena innerhalb kürzester Zeit komplett ausverkauft.
eSportteam jubelt mit Pokal
Instagram ESL Gaming
Alleine das Finale der League of Legends-WM, den "Worlds" haben 43 Millionen Zuschauer per Livestream oder TV angesehen. In der Spitze gab es zeitgleich sogar 14,7 Millionen Zuschauer. Das Endspiel hat übrigens im Staples Center in Los Angeles vor 20.000 Zuschauer stattgefunden.
Die TV-Produktion dieser Events ist auf gleich hohem Niveau wie beispielsweise der Eurovision Song Contest. Es gibt Moderatoren, Kommentatoren, Analysten. All das trägt dazu bei, dass sich auch die Wahrnehmung ändert. eSportler sind nicht im Keller spielende Kinder, die kein Tageslicht zu Gesicht bekommen – um ein typisches Klischee zu nennen.

Wie steht der deutsche eSport im internationalen Vergleich da? Wir sind in allen großen Titeln vertreten, da muss sich Deutschland nicht wirklich verstecken.

Wie denkst du, wird sich eSports in den kommenden Jahren entwickeln? Das Interesse wird weiterhin ansteigen, vielleicht kommen auch noch einige Spieletitel hinzu, während andere wieder an Popularität verlieren werden. Zweifelsohne wird der eSport als Unterhaltungsprogramm einen ähnlichen Stellenwert erreichen wie der klassische Sport.

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Wir hoffen, dass wir Ihnen einen spannenden Einblick in die eSports-Szene geben konnten und bedanken uns bei unserem Interviewpartner Konni Winkler.

Bilder: Titelbild: ©istock/Homunkulus28

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