Passtraining im Handball: Passarten, Technik & Übungen

Handballcoach Steffen Kern im Interview

Passen und Fangen sind Grundtechniken, auf die jeder Handballspieler angewiesen ist. Damit Ihre Spieler diese zwei Techniken optimal umsetzen, kommt es auf das richtige Passtraining an. Handballcoach Steffen Kern erklärt im Interview, wie Sie das Passtraining im Handball sowohl abwechslungsreich als auch anspruchsvoll gestalten, welche Passarten Sie trainieren sollten und welche Übungen Ihnen dabei optimal helfen.

Handballspieler macht Passübung

Unser Interviewpartner: Handballcoach Steffen Kern

Steffen Kern ist Jahrgang '89 und ist seit seinem 17. Lebensjahr Handballtrainer. Begonnen hat er bei seinem Heimatverein HG Remscheid. Schon in jungen Jahren war ihm klar, dass seine Zukunft im Handball und im Speziellen im Nachwuchsleistungssport liegt.

Passtraining-Profi und Handballcoach Steffen Kern
Handballtrainer Steffen Kern

Der Handball-B-Lizenz-Trainer und Sportwissenschaftler hat an der Fortbildung Nachwuchsleistungssport im Handball des DHBs teilgenommen. Die A-Lizenz steht als nächstes auf dem Plan. Nach seinen Stationen beim THW Kiel und dem SV Henstedt-Ulzburg, macht sich Kern gerade als Coach und Mentor selbstständig. Er organisiert Fortbildungen und steht Handballtrainern und -vereinen auch individuell zur Verfügung, um sie zu beraten und zu verbessern. Mehr über Steffen Kern erfahren Sie auf seiner Website.

Darum ist das Passtraining im Handball so wichtig

Das Passtraining im Handball ist entscheidend für die Ausbildung fähiger Spieler. Warum das so ist und welche Fähigkeiten es schult, erklärt Ihnen Steffen Kern.

owayo: Herr Kern, Sie sind erfahrener Handballcoach und beschäftigen sich seit Langem mit dem Handballtraining. Warum sollte das Pass- und Fangspiel im Handball ein entscheidender Bestandteil des Trainings sein? Steffen Kern: Das Passen und Fangen sind neben dem Werfen elementare Bestandteile des Handballspielens. Ohne diese Grundfertigkeiten ist Handball nicht denkbar. Nahezu alle Aktionen in einem Handballspiel resultieren aus einem erfolgreichen Pass. So versucht man im Handball zum Beispiel, zwei gegnerische Abwehrspieler zu binden, um einem eigenen Mitspieler einen Vorteil im Angriff zu erspielen. Den Vorteil kann man aber nur nutzen, wenn der Pass zum eigenen Mitspieler auch ankommt und die gegnerische Abwehr die Intention des Angriffs erst so spät wie möglich erkennt.

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owayo: Welche Fähigkeiten schult das Passtraining im Handball? Steffen Kern: Das Passtraining im Handball schult sowohl koordinative Fähigkeiten (wie zum Beispiel die Rhythmisierungs-, Umstellungs- oder Gleichgewichtsfähigkeit) als auch die Antizipationsfähigkeit. Zudem hilft es Spielern dabei, die Laufwege des Gegenspielers zu erahnen und passend darauf zu reagieren.

owayo: In welchen Ausbildungsstufen sollten Passen und Fangen in besonderem Maße trainiert werden? Steffen Kern: Die Wichtigkeit nimmt ab der D-Jugend zu und spätestens ab der C-Jugend sollte keine Trainingseinheit mehr ohne Passtraining durchgeführt werden.

Mann beim Passtraining im Handball
Spätestens ab der C-Jugend sollte das Passtraining fester Bestandteil des Handballtrainings sein.

Laufwege & Passtechniken im Handball trainieren

Um das Passen und Fangen im Handball optimal zu trainieren, kommt es auf die richtige Passtechnik an. Aber auch Laufwege spielen eine entscheidende Rolle.

owayo: Welche Passarten gibt es im Handball? Steffen Kern: Neben dem „normalen“ Überkopfpass gibt es noch Unterhand- und Rückhandpässe. Der Kreativität sind aber keine Grenzen gesetzt. Am Ende geht es schließlich darum, den Gegenspieler zu überraschen und einen Pass zu spielen, mit dem zwar der Mitspieler, aber nicht der Abwehrspieler rechnet.

owayo: Was zeichnet eine gute Passtechnik aus? Steffen Kern: Die torgefährliche Grundposition des Angreifers im Handball zeichnen die folgenden Key-Punkte aus, an denen Sie sich orientieren können:

  • Die Blickrichtung geht zum Tor.
  • Auch die Schulter zeigt zum Tor.
  • Ebenso zeigen die Zehenspitzen des vorderen Beines zum Tor (bei Rechtshändern das linke Bein, bei Linkshändern das rechte).
  • Der Arm ist oben (Ellenbogen mindestens auf Schulterhöhe und der Ball hinter dem Ellenbogen).
  • Das Gewicht ist auf dem vorderen Bein.
  • owayo: Was gilt es bei Seitenpässen zu beachten? Steffen Kern: Um einen Pass zur Wurfarmseite zu spielen, muss der Angreifer jetzt nur den Oberkörper zum Mitspieler drehen. Für einen Pass zur Wurfarmgegenseite spielt man entweder den Pass mit dem schwächeren Arm oder man dreht sich auf dem Fußballen des vorderen Beines und spielt dann den Pass zum Mitspieler.

    Mann trainiert Passarten im Handball
    Die richtige Technik ist entscheidend, damit Spieler gelungene Pässe erzielen.

    owayo: Ändert sich das Passtraining, je nachdem, ob man Rechts- oder Linkshänder ist? Steffen Kern: Das Passtraining ändert sich nicht. Man macht dieselben Dinge einfach nur gegengleich. Wichtig ist, dass alle Spieler mit beiden Händen gleich gut passen können. Das sollte jeder Spieler unbedingt beim Passtraining im Handball trainieren.

    owayo: Worauf kommt es bei den Laufwegen an? Steffen Kern: Das Wichtigste ist, dass man den Ball immer in der Vorwärtsbewegung annimmt und in die Nahtstellen, das heißt in die Lücke zwischen zwei Abwehrspielern, stößt, um im Idealfall beide Abwehrspieler auf sich zu ziehen. So können Überzahlsituationen auf der anderen Seite entstehen. Man bewegt sich immer bogenförmig und man kann die Bewegung als eine Rückwärts-, Seitwärts-, Vorwärtsbewegung beschreiben: Man bewegt sich nach der Ballabgabe rückwärts aus der Nahtstelle, seitwärts, um Breite zu gewinnen und wenn der Ball zurückkommt wieder vorwärts in die nächste Nahtstelle.

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    Hilfreiche Passübungen fürs Handballtraining

    Das Passtraining im Handball können Sie anhand der richtigen Übungen optimal gestalten. Achten Sie dabei aber auch darauf, den Schwierigkeitsgrad der Ausbildungsstufe anzupassen.

    owayo: Mit welchen Übungen lassen sich Passen und Fangen besonders gut trainieren? Steffen Kern: In jüngeren Jahren ist es wichtig, viele Koordinationsübungen mit in das Passtraining einzubauen. Hier geht es noch verstärkt darum, das Ballgefühl zu entwickeln und zu schulen. Wenn die Spieler älter werden (ab der C-Jugend) verlagert sich das Passtraining mehr auf das spezifische Training im Angriff oder in der Umschaltphase. Dann steigt auch die Komplexität und Trainer sollten mehr Wert auf die Kooperationen zwischen zwei Positionen legen.

    Das folgende Video zeigt einige gute Passübungen, die Sie bei Ihrem Handball-Passtraining nutzen können:

    owayo: Wie kann ich das Passtraining mit zunehmendem Alter oder Ausbildungsgrad herausfordernder gestalten? Steffen Kern: Es gibt verschiedene Möglichkeiten, um den Schwierigkeitsgrad beim Handball-Passtraining zu erhöhen. Hier einige Ideen:

  • Erhöhen Sie das Tempo oder bauen Sie unterschiedliche Druckbedingungen mit ein: So können Sie die Anforderungen im Passtraining steigern. Das gelingt auch, indem Sie Handlungsdruck einbauen, etwa, indem Sie einen Gegenspieler zusätzlich platzieren.
  • Eine beliebte Methode ist auch das Vorschalten einer koordinativen oder turnerischen Übung: So hat der Spieler weniger Zeit, sich auf den Pass zu konzentrieren.
  • Sie können aber auch die Wahrnehmung erschweren, indem Sie das Licht dimmen oder ausschalten. Je älter die Spieler werden, desto mehr verschiebt sich das Passtraining auch in die Grundspiele und desto anspruchsvoller können Sie das Training gestalten.
  • owayo: Die kroatische Handballikone Ivano Balic ist bekannt dafür, dass die Richtung seiner Pässe für Gegner extrem schwer zu antizipieren war, weil er dabei immer in eine andere Richtung geschaut hat. Gibt es weitere Finten, mit denen fortgeschrittene Handballspieler arbeiten können, um ihre Gegner zu überwinden? Steffen Kern: Wenn man sich nur auf die Pässe beschränkt, gibt es außer der schon beschriebenen Blicktäuschung nur noch die Pass- oder Wurftäuschung: Dabei täuscht man einen Pass zum Mitspieler oder einen Torwurf vor und spielt dann den Pass zu einem anderen Mitspieler. Wie oben schon beschrieben, kann man aber mithilfe kreativer Pässe versuchen, den Gegner zu überwinden. Denn kommt ein Wurf zur Anwendung, der nicht gezielt trainiert wird, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass der jeweilige Gegenspieler nicht damit rechnet.

    Passkontinuum im Handball

    Auf das Passkontinuum sollten Sie und Ihre Mannschaft nicht verzichten, denn es hilft Ihren Spielern dabei, sicherer zu spielen.

    owayo: Was hat es mit dem Passkontinuum auf sich? Steffen Kern: Das ist eine Passfolge, die sich immer wiederholt und bis ins Unendliche weitergeführt werden kann.

    owayo: Wie wichtig ist das Passkontinuum für das Handballtraining? Steffen Kern: Das Passkontinuum ist wichtig, weil es dem Spieler Orientierung bietet. Durch die festgelegten Laufwege kann man sich sehr auf die Technik fixieren. Das kontinuierliche Hin und Her des Balls zwischen den Spielern ermöglicht Ihnen als Trainer, hohe Wiederholungszahlen zu kreieren. Deswegen sollte es keine Trainingseinheit ohne ein Passkontinuum geben. Ab der C-Jugend hat es außerdem den Vorteil, dass man Auslösehandlungen festigen kann. Das heißt, die Spieler können sich die Laufwege so besser einprägen und sie auch variieren.

    Mannschaft bei Absprache zu Pässen im Handball
    Absprachen und eine fundierte Vorbereitung auf gegnerische Verhaltensmuster verhelfen Spielern zu schnelleren Reaktionen und passenden Handlungen.

    Kommunikation unter den Spielern beim Passtraining

    Die Kommunikation unter Spielern ist ein entscheidender Faktor für erfolgreiches Passen und Fangen im Handball. Absprachen und eine gezielte Vorbereitung sind hierbei zielführend.

    owayo: Wie kann ich die Absprache oder Kommunikation im Team gestalten, damit Spieler sich auch verstehen, ohne ihre Taktik an den Gegner weiterzugeben? Steffen Kern: Im Training ist es entscheidend, die Laufwege zu trainieren und Absprachen zu treffen, etwa wie man bestimmte Auslösehandlungen nennt. Darunter versteht man Aktionen, die zu jeder Zeit mehrere Optionen erlauben, immer je nach dem Aktionsmuster der Abwehr. So kann man im Training schon „Wenn-Dann“-Situationen kreieren und die Spieler auf jede mögliche Situation vorbereiten. Ganz nach dem Schema: Wenn der Abwehrspieler X macht, dann macht der Angreifer Y. So muss man sich im Spiel nicht mehr groß absprechen.

    Sollte es trotzdem mal ungeahnte Situationen geben, kann man diese immer auch kurz in der Abwehr besprechen, ohne dass der Gegner das mitbekommt.

    Wir bedanken uns herzlich bei Steffen Kern für das aufschlussreiche Interview!

    Ran ans Handball-Passtraining!

    Mit den Trainingstipps von Steffen Kern können Sie das Passtraining Ihrer Handballmannschaft optimal gestalten. Benötigen Sie dafür noch das passende Mannschaftstrikot, empfehlen wir Ihnen unseren 3D-Produktkonfigurator: Denn hier haben Sie die Möglichkeit, Ihr Mannschaftstrikot ganz individuell zu gestalten: von der Stoffauswahl über die Farbgebung bis hin zu Sponsoren- und Teamlogos.

    Zudem haben Sie die Möglichkeit, kostenloses Infomaterial und Stoffproben anzufordern oder aber Mustertrikots zu bestellen, um sich von der Qualität unserer Produkte zu überzeugen.

    Möchten Sie sich dagegen weiter über Handballtraining informieren, empfehlen wir Ihnen die folgenden Artikel:

  • „Schritte im Handball: Die 7 häufigsten Fragen“
  • „Der Schlagwurf im Handball. Die richtige Technik, häufige Fehler & hilfreiche Übungen“
  • „Der Sprungwurf im Handball: Wurftechnik, Tipps & Übungen“
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    Bildnachweis: Titelbild: © istock.com/imagean, Bild 1: © Lisa Kern – Kern Photography, Bild 2: © istock.com/skynesher, Bild 3: © istock.com/FilipViranovski, Bild 4: © istock.com/miodrag ignjatovic.