Expertentipps für Ihre Radreise

So planen Sie Ihre mehrtägige Reise im Sattel

Raus aus dem Alltag und ab in die Natur. Von der geeigneten Route bis hin zur notwendigen Ausrüstung: Unser Experte für Radreisen Martin Moschek verrät Ihnen auf was Sie bei der Planung einer mehrtägigen Radtour achten sollten.

Fahrrad mit Rucksack und Helm auf Kiesweg

Unterwegs die warme Sommersonne oder verschlungene Pfade in farbenprächtigen Herbstwäldern genießen - für eine Radtour bietet sich so gut wie jede Jahreszeit an. Doch egal,wann und wo Sie unterwegs sind, die richtige Planung ist essentiell für den Erfolg der Tour. Erfahren Sie hier, wie Sie sich am besten vorbereiten und was es unterwegs zu beachten gilt.

Tipps vom Experten: Martin Moschek verrät, auf was es ankommt

Der begeisterte Hobby-Radfahrer Martin Moschek berichtet auf seinem Biketour Global Blog überseine spannenden Radreisen auf der ganzen Welt. Seit 1991 ist er immer wieder mit und ohne Begleitung unterwegs und hat seitdem 49 Länder auf über 60.000 km bereist. Im Interview gibt er uns wichtige Infos zur richtigen Planung einer mehrtägigen Radreise.

Martin Moschek auf dem vollbepackten Fahrrad
Seit 1991 hat Martin Moschek bereits 47 Länder mit dem Rad bereist.

Die Vorbereitung

Eine längere Radtour will gut durchdacht sein. Die richtige Vorbereitung und anforderungsgerechte Planung entscheidet über den Erfolg Ihrer Radreise.

„Der Planungsbeginn hängt vor allem von der Art und Länge der Tour ab. Für Touren bis zu 1 Woche fange ich meist 2 Tage vorher an, mir Gedanken zu machen wie die Strecke aussehen soll und was ich so einpacke.
Viel Vorbereitung braucht es bei diesen kurzen Touren also nicht. Wenn ich größere Touren vorhabe, dann beginne ich meist 6 Monate vorher mit einer ersten Planung, was Ziel und ungefähre Route angeht. Dann fange ich meist an, die Anreise zu recherchieren und die Route genauer zu vermessen, um die benötigte Zeit zu planen. Gepackt wird einen Tag vorher und dann geht es schon los.“
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Die passende Route wählen

Die Überlegung, wo es denn hingehen soll, steht natürlich an erster Stelle. Unterschiedliche Regionen bergen verschiedene Herausforderungen. Die Wahl der geeigneten Strecke wird daher von Faktoren wie der eigenen Fitness oder der Ihrer Mitfahrer und der Tauglichkeit Ihres Rades bei entsprechenden Fahrbahnunterlagen beeinflusst.

Gruppe von Radfahrern auf Straße im Grünen
Die Routenwahl wird durch verschiedene Faktoren wie Fitness und Radtauglichkeit beeinflusst

Egal wohin die Reise geht: Infomieren Sie sich im Vorfeld über die Eignung für Fahrradfahrer.

Vor allem bei Touren mit Kindern sollten Sie darauf achten, dass Radwege vorhanden sind oder die Route durch verkehrsberuhigte Bereiche führt.

Herr Moschek verrät uns, welche weiteren Kriterien die Routenwahl beeinflussen:

„Oft gibt es nur die eine Route, aber ich schaue schon, dass es nach Möglichkeit nicht an großen Hauptstraßen entlanggeht, sondern mehr durchs Land. Natürlich erfolgt die Routenplanung nicht nur für die reine Verbindung von A nach B. Vielfach schaue ich auch, wo es sehenswerte Orte gibt oder tolle Landschaften zu erwarten sind.“

Vor allem bei mehrtägigen Radreisen entscheidet die Etappenlänge über die Wahl entsprechender Rastmöglichkeiten und Unterbringungen. Ziele sollten entsprechend der persönlichen Tagesleistung an den Streckenverlauf angepasst werden.

„Die Etappenlänge hängt dabei ganz von der Erfahrung und der Motivation ab. Gedanken zu den Etappenzielen mache ich meist direkt am Tag selber. Natürlich gibt es immer Highlights, bei denen ich länger bleibe und entsprechend versuche, diese als Zwischenziele einzuplanen. Bei größeren Radtouren sollten Sie jedoch nicht allzu viel Zeit mit dem Planen verbringen - es ändert sich ohnehin immer wieder.
Meine Fahrzeiten plane ich in Tageskilometern. Das sind je nach Wegbeschaffenheit und Gelände zwischen 80 und 130 km pro Tag. Wie lange ich dafür brauche, liegt dann an meiner jeweiligen Verfassung und dem Wetter.“

Richtig navigieren

Egal, wo es Sie hin verschlägt, eine gute Navigation ist ausschlaggebend für den Erfolg und die Freude an der Fahrt.

Dank der Höhenmeter-, und Entfernungsmessung von Google Maps lassen sich die gewünschten Strecken schnell und einfach vorausplanen.

Praktische Smartphone- Halterungen für die Lenkstange gewährleisten auch unterwegs eine gute Orientierung und ersparen den Kauf eines teuren Navigationssystems.

Fahrradlenker mit Korb, Rucksack und Landkarte
Egal ob Papierkarte, oder übers Smartphone. Die richtige Navigation ist ausschlaggebend für den Erfolg der Tour.

Plan B - was tun bei schlechtem Wetter?

Ein Problem der langfristigen Planungen einer Radtour sind häufig unzureichende Wettervoraussagen. Unerwartete Regenfälle oder langanhaltende Regenperioden können Ihre Pläne schnell vereiteln. Vor allem Schön-Wetter-Radler sollten sich für diese Fälle einen Plan B zurechtlegen.

„Regen und Schnee sind für mich kein Grund, nicht zu fahren. Es ist dann einfach anders. Heftiger Sturm sorgt maximal für mehr Pausen oder den vorzeitigen Feierabend. Auf Island habe ich dann schon mal mittags Schluss gemacht und gewartet, bis das Wetter sich wieder beruhigt hat. Vorbereiten können Sie sich nur, indem Sie bei der Reiseplanung in etwas wettertechnisch wildere Gegenden einen entsprechenden zeitlichen Puffer einbauen. So habe ich für meine Patagonien Tour im Frühjahr 2017 zwei Tage als Puffer für schlechteres Wetter eingeplant.“

Verschnaufpausen

Pausentage ermöglichen den Radfahrern das Tanken neuer Energie und bilden die Brücke zwischen der sportlicheren Betätigung und der Besichtigung von Sehenswürdigkeiten und kulturellen Highlights einer Reise. Die Herausforderung besteht darin, auch bei kurzer Rast einen optimalen Ausgleich zwischen Erholung und Erlebnis zu schaffen.

„Ich plane meine Pausen nicht, sondern mache sie dann, wenn mir danach ist. Das ist individuell und vielfach gibt der Körper vor, wie eine Pause am besten zu gestalten ist. Eine Radtour ist ja nicht unbedingt anstrengend. Es ist ja kein Wettrennen, sondern ein Touren. Das ist mal anstrengend und mal nicht. Grundsätzlich sollte es Spaß machen.
Ausgedehntere Pausen nutze ich, um Sehenswürdigkeiten anzusehen, meine Vorräte aufzufüllen, meine Sachen zu waschen, das Rad und die Ausrüstung zu checken und ein wenig im Internet zu surfen.
Auf Island habe ich mal einen Gletscher bestiegen, in Tibet habe ich mir Lhasa angeschaut, in Patagonien werde ich mir einen großen Gletscher und Nationalpark ansehen.“
Schneebedecktes Gebirge mit bepacktem Fahrrad im Vordergrund
Im Rahmen seiner Georgienreise bekommt Martin Moschek die beeindruckende Landschaft und Sehenswürdigkeiten des Landes zu Gesicht.

Damit Sie bei Einbruch der Dämmerung nicht erst mühevoll eine geeignete Herberge suchen müssen und eventuell überteuerte Preise bezahlen, sollten Sie die Anzahl und Dauer Ihrer Übernachtungen im Vorfeld gründlich planen und entsprechende Hotelangebote oder Zeltplätze heraussuchen und vergleichen.

„Zu 90% zelte ich. Entweder wild oder auf Campingplätzen. Die anderen 10% verbringe ich in Hostels. Es gibt Länder, wo sich zelten nicht anbietet, aber wo es billige Zimmer für 5 Dollar gibt. In Deutschland zelte ich immer.“
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Optimal vorbereitet: Für jede Witterung die passende Kleidung

Auch beim Fahrradfahren bietet sich das Zwiebelschalenprinzip an, bei dem einzelne Kleidungsstück den Witterungen entsprechend an- oder ausgezogen werden.

Dünne Funktionsunterwäsche transportiert Feuchtigkeit schnell ab und sorgt dafür, dass Sie beim Schwitzen nicht zu frieren anfangen. Je nach Temperatur folgen ein- oder mehrere Lagen Oberbekleidung, wie T-Shirt, oder dünne Pullover. Als oberste Lage empfiehlt sich eine Jacke aus einem wasserabweisendem, atmungsaktiven Material, die sie sowohl vor Wind als auch vor Regen schützt.

Dank unseres Online-Produktkonfigurators gestalten Sie im Handumdrehen Ihre individuelle und professionelle Sportbekleidung. Wählen Sie Design, Farbe und Beschriftungen frei nach Ihren Vorstellungen und zeigen Sie jedem auf der Strecke, was für ein tolles Team Sie sind.

Die richtige Ausrüstung

Die Länge der Radtour entscheidet darüber, wie viele Taschen Sie mitnehmen sollten. Reicht bei einem Tagesausflug ein einfacher Rucksack, sollten Sie entsprechend aufrüsten, wenn Sie eine mehrtägige Radtour planen.

Bewährt hat sie die Kombination aus Satteltaschen und Lenkertasche. Die richtige Gewichtsverteilung ist dabei entscheidend für den Fahrkomfort. Als Faustregel rät uns Martin Moschek:

„Schwerere Sachen eher nach unten in die Taschen. Die Verteilung des Gepäcks sollte zu 60% hinten und zu 40% vorne aufgeteilt sein.“
Fahrrad mit Gepäcktaschen an den Hinter- und Vorderreifen
Die richtige Verteilung des Gepäcks entscheidet über den Fahrtkomfort.

Was packe ich ein?

Egal wie erfahren Sie in der Planung und Vorbereitung längerer Radtouren sind, auch Profis sollten sich vor Fahrantritt noch einmal Gedanken zum benötigten Reisegepäck machen. Bei Gruppen-Radtouren kann das Gepäck entsprechend aufgeteilt werden und jeder Fahrer seinen Teil für die Verpflegung der Gruppe beitragen. Zu den Must-Have´s, die jeder Fahrer jedoch persönlich mitführen sollte, zählen ausreichend Geld und ein Mobiltelefon.

„Ich habe für jede Tour eine eigene Packliste. Auch wenn ich eigentlich weiß, was ich mitnehme, gehört es doch zur Vorbereitung, eine solche Liste anzufertigen und dann abzuarbeiten.
Alles, was ich auf Tour mitnehme, hat sich im Laufe der Jahre optimiert. Ich fahre mit ca. 15 kg Gepäck ohne Essen und Wasser auch große Touren.
Neu an Bord ist ein Kocher, den ich aber eher als Luxusgegenstand betrachte und eigentlich nicht wirklich unterwegs brauche.
Mit dabei ist immer mein Leatherman Tool, welches ich mir 1998 auf meiner Tour von Deutschland nach Indien in Kathmandu gekauft habe. Zudem begleitet mich seit fast 20 Jahren auch ein Essbrettchen, welches zwar schon arg mitgenommen ist, aber immer noch gute Dienste leistet.
Und natürlich ist immer mein Tourbuch dabei. Ich schreibe dort noch immer meine Erlebnisse des Tages hinein und mache mir Notizen für Artikel oder zu bestimmten Bildern. Eine größere Tour ohne Tourbuch kann ich mir nicht vorstellen.“

Auf seinem Blog hat Martin Moschek die detaillierten Packlisten seiner Kaukasus, Island und Ostafrikatour veröffentlicht.

Der Fahrradcheck

Zur essentiellen Vorbereitung einer Radtour - ganz egal von welcher Länge - zählt der Fahrradcheck.

Was Ihnen auf dem Weg zum Bahnhof kaum auffällt, kann auf der Dauer einer mehrstündigen Radtour wertvolle Kräfte zehren, die unzureichende Sicherheit Ihres Rads gefährdet Sie und andere.

Schleifende Bremsen, schlecht geölte Ketten oder ein falsch eingestellter Sattel sollten im Vorfeld repariert und angepasst werden- die Funktionalitäts- und Sicherheitsprüfung vor Fahrantritt spart Kraft und Nerven.

Wollen Sie auf Nummer sichergehen, bringen Sie ihr Rad zum Fachmann in die nächste Werkstatt. Vor allem in Hinblick auf mehrtägige Reisetouren machen sich die Kosten hierfür schnell bezahlt.

Fahrradreifen mit Reparaturtools und Handschuhen
Der Fahrradcheck vor Reiseantritt spart Kraft und Nerven.

Aufgesattelt: jetzt geht’s los

Jetzt heißt es Fahrradkarten rausholen und mit der Planung beginnen. Mit unseren Tipps kann auf Ihrer Reise nichts mehr schief gehen.Wir bedanken uns bei Martin Moschek für das Interview und wünschen viel Erfolg bei weiteren, aufregenden Radreisen.

Bilder: Titelbild ©istock.com/ pong2519, Bild 1,4,5 ©Martin Moschek, Bild 2: ©istock.com/ piola666, Bild 2: ©istock.com/ totalpics, Bild 3: ©istock/ mihtiander, Bild 6: ©istock.com/ humonia

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