Australien-Weltrekord im Extremradsport

Die Rekordhalter Wolfgang Fasching und Gerhard Gulewicz im Interview

Am 10. Januar 2016 wird Extremradsportler Christoph Strasser zum „Weltrekord Down Under powered by owayo“ aufbrechen. Sein Ziel: Australien von Perth nach Sydney per Fahrrad durchqueren – und das in weniger als 7 Tagen! Wir haben uns mit seinen Vorgängern Wolfgang Fasching und Gerhard Gulewicz unterhalten. Lesen Sie hier ihre Erfahrungen.

Ultraradfahrer Wolfgang Fasching
Wolfgang Fasching (© EOS)

Er brach den Down-Under-Rekord 19 Jahre zuvor: 3 Fragen an Wolfgang Fasching

Er gewann drei Mal das Race Across America, bestieg schon den Mount Everest und ist inzwischen erfolgreicher Buchautor und Motivationstrainer. 1998 erradelte Wolfgang Fasching die (damaligen) 4215 km von Perth nach Sydney in 7 Tagen, 19 Stunden und 47 Minuten. Wir haben dem Österreicher einige Fragen zu seiner damaligen Challenge gestellt.

OWAYO-MAGAZIN: Im Januar herrschen in Australien Temperaturen bis zu 40°C – eine unvorstellbare Hitze und die größte Herausforderung für Christoph Strasser, aufgrund welcher er 2015 das Race Across America abbrechen musste. War das auch Ihre größte Herausforderung der Tour? Wolfgang Fasching: „Nein, es war nicht die Hitze, denn ich fuhr im April in einer Zeit, in der es nicht so heiß ist. Trotzdem habe ich das Brennen der Sonne Australiens schon mehr gemerkt als anderswo.
Viel herausfordernder war der extreme Gegenwind, den wir am Anfang hatten und der uns im Zeitplan zurückgeworfen hat – das hat vor allem für die Psyche eine große Rolle gespielt.
Vermutlich war meine größte Herausforderung aber das Organisatorische. Mir war das damals alles unbekannt und ich stand noch am Anfang meiner Karriere – im Gegensatz zu Christoph, der ja jetzt schon so viel Erfahrung hat. Im Vergleich zum Race Across America ist es überschaubar und die Strecke ist auch nicht ganz so schwer zugeschnitten.

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OWAYO-MAGAZIN: Sie fuhren damals 4215 km, für Christoph Strasser sind es „nur“ 3950 km. Ist es heute, 19 Jahre später, einfacher, den Rekord zu brechen? Wolfgang Fasching: „Es ist nicht einfacher heutzutage – es ist nur anders. Die Szenerie ist größer geworden und die Erfahrungen sind gewachsen. Christoph ist der ultimative Sportler der Szene jetzt.
Ich sehe ihn momentan so und so als den Besten der Gegenwart, der vieles verändert und verbessert und den ganzen Sport auf eine neue Ebene gebracht. Wenn alles passt, wird er sein Ding durchziehen und das auch relativ leicht schaffen.“

OWAYO-MAGAZIN: Christoph Strasser will einen neuen Rekord aufstellen – muss aber vor allem gegen die Hitze in Australien ankämpfen. Was ist Ihrer Meinung nach das Wichtigste, um die Strecke erfolgreich zu bewältigen? Wolfgang Fasching: „Das kann man nicht eins zu eins beantworten. Es ist eine Kombination aus allem: Man muss eine große Leidenschaft für den Sport aufbringen und ein tolles Team haben, sodass auch, wenn es mal hart wird, Spaß und Freude weiterhin besteht. Und auch die Ausrüstung spielt eine entscheidende Rolle. Aber da ist auch Christoph der, der die Materialentwicklung mit vorangetrieben hat.
Ich glaube Christoph als Sportler und auch sein Team vereinen mit die wichtigsten Faktoren, um das Projekt erfolgreich abzuwickeln.“

Herausforderungen im australischen Outback: Rekordhalter Gerhard Gulewicz erinnert sich

Vor genau zehn Jahren durchradelte Gerhard Gulewicz den roten Kontinent und erzielte ebenfalls eine Bestleistung: Die Strecke Perth-Sidney legte er in nur 7 Tagen und 8 Stunden zurück – und das trotz eines schweren Unfalls auf der letzten Etappe. Er drückt seinem Landsmann Christoph Strasser die Daumen. Im Interview verrät er uns, welche Herausforderungen auf Christoph Strasser in Australien warten und wie er ihn bei der Vorbereitung unterstützt hat.

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copyright: Gulewicz Coaching & Consultancy

OWAYO-MAGAZIN: Herr Gulewicz, Was ist die größte/besondere Herausforderung des Down-Under-Rekords? Gerhard Gulewicz: „Der Kampf gegen sich selbst, die Strecke und die unendliche Weite. Auch die Hitze und die Fliegenplage im australischen Outback sind sicherlich ein Thema.“

OWAYO-MAGAZIN: Sie helfen Christoph Strasser bei den Vorbereitungen – ist das schon ein großer Gewinn für ihn? Gerhard Gulewicz: „Unter uns Extremsportlern herrscht größtenteils ein sehr großer Respekt und somit auch Bewunderung für die Leistung des Anderen. In diesem Sinne habe ich Christoph auch so viele Infos wie möglich gegeben, damit er sich noch ein Stück weit besser auf die Aufgabe einstellen und vorbereiten kann.“

OWAYO-MAGAZIN: Wer hat Ihnen damals bei der Vorbereitung geholfen? Gerhard Gulewicz: „Mir hat bei meiner Rekordfahrt niemand geholfen. Und somit musste ich auch einiges selbst lernen. Eine Riesenherausforderung war zum Beispiel die Versorgung unseres Teams: Tankstellen und die Möglichkeit einzukaufen gibt es im Outback oftmals nur alle 400 Kilometer!“

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OWAYO-MAGAZIN: Warum glauben Sie, dass Christoph Strasser sehr gute Chancen hat, die Strecke in 6,5 Tagen zu bewältigen? Gerhard Gulewicz: „Christoph wird die Herausforderung sicherlich unter 7 Tagen, meiner Meinung sogar unter 6 Tagen und 12 Stunden meistern. Er ist der derzeit beste Extremradsportler der Welt, er hat bereits beim RAAM bewiesen wie schnell er sein kann, er hat ein erfahrenes und eingespieltes Team und die Strecke selbst ist ihm auf den Leib geschnitten.

Bei meiner Weltrekordfahrt 2007 bin ich 320 km vor dem Ziel in Sydney schwer zu Sturz gekommen und wurde unter Narkose im Krankenhaus versorgt. Zwar konnte ich weitermachen, aber dieser Unfall hat viele Stunden in Anspruch genommen. Zieht man diesen Umstand von meiner Zeit ab, und beachtet noch die oben beschriebenen Vorteile von Christoph, dann ist eine Zeit unter 6 Tagen und 12 Stunden absolut realistisch.“

Die größten Herausforderungen

Das australische Outback mit dem Fahrrad durchqueren – alles andere als ein Kinderspiel. Wie vor ihm Wolfgang Fasching und Gerhard Gulewicz wird Christoph Strasser aufpassen müssen, dass ihn diese Herausforderungen nicht bremsen:

- rund 40°C Hitze
- extremer Gegenwind
- keine Zivilisation: rund 400km bis zum nächsten Supermarkt oder Krankenhaus
- 50-Meter-Roadtrains, die mit 120 km/h über den Highway brettern

Wir bedanken uns bei Wolfgang Fasching und Gerhard Gulewicz für die Interviews und freuen uns auf baldige Updates von Christoph Strasser aus Australien.

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